Historie

Ein Haus mit viel(en) Geschichte(n)

Das Gustav Stresemann Institut ist eine Organisation mit Geschichte, bereits im Jahr 1951 wurden die ersten Weichen gestellt. Das Europäische Bildungs- und Tagungshaus Bad Bevensen des Gustav Stresemann Instituts in Niedersachsen e.V. - ein langer Name, der nach einer großen Trägerorganisation, nach einer Partei oder einer anderen öffentlichen Institution klingt. Der Träger des Tagungshauses ist jedoch ein kleiner, gemeinnütziger Verein ohne parteiliche Bindung.

B. Finkelstein

Gründung und Aufbau des Stresemann Instituts sind geprägt von der Person Berthold Finkelstein. Als Opfer nationalsozialistischer Verfolgung gehörte dieser nach 1945 zu einer Gruppe von politisch motivierten und verantwortlichen Menschen in Europa, die über den Nationalstaat hinaus dachten. "Versöhnung in Europa" hieß seine Vision. Dafür hat er sich seit 1953 bis zu seinem Tod im Jahr 1996 aktiv in der politischen Bildungsarbeit eingesetzt.

Berthold Finkelstein war auch Mitbegründer und lange Jahre Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft deutscher Bildungsstätten und mit Politikern der ersten Stunde aller Parteien verbunden.

Ihm verdankt nicht nur das Gustav Stresemann Institut in Niedersachsen e.V. seine Existenz sondern auch das Gustav Stresemann Institut in Bonn – mit einer großen Tagungsstätte mitten im ehemaligen Regierungsviertel.

Der Namensgeber

Berthold Finkelstein wählte den Namen des deutschen Außenministers (1923 bis 1929) Gustav Stresemann mit Blick auf dessen Verdienste um die deutsch-französische Verständigung und die europäische Einigung in der Zeit zwischen den Weltkriegen.

Gustav Stresemann erhielt für seine Versöhnungsarbeit zusammen mit seinem französischen Kollegen Aristide Briand 1926 den Friedensnobelpreis.

In Deutschland wurde ihm jedoch eine entsprechende Anerkennung für seine Außenpolitik versagt. Er wurde für seine Verständigungspolitik von vielen als "Erfüllungspolitiker" der Siegermächte beschimpft.

Das Europäische Bildungs- und Tagungshaus in Bad Bevensen-Medingen

Das niedersächsische Gustav Stresemann Institut wurde 1975 gegründet, die Seminararbeit begann zunächst ohne Haus. 1977 konnte dann das alte Amtsgericht in Medingen vom Land Niedersachsen gekauft und zum Tagungszentrum umgebaut werden.

Die Arbeit der Heimvolkshochschule – so die offizielle Bezeichnung in Anlehnung an eine alte skandinavische Tradition – wurde bestimmt von Seminaren im Rahmen des Bildungsurlaubs. Finanziell wurde die Bildungsarbeit sehr unterstützt vom Land Niedersachsen, das führend war in der Ausgestaltung eines fortschrittlichen und familienfreundlichen Erwachsenenbildungsgesetzes zur Unterstützung des lebenslangen Lernens (für ein Drittel unserer Seminare konnten wir z.B. damals kostengünstige Kinderbetreuung anbieten).

Der Ort

Hier in Bad Bevensen-Medingen traf das Gustav Stresemann Institut auf eine alte Geschichte ganz anderer Art in Gestalt des alten Amtsgerichts, errichtet 1541 im Auftrag vom protestantischen Herzog Ernst "dem Bekenner" im Zuge eines Streits mit dem katholischen Kloster Medingen.

Der Herzog, seit seinem Studium in Wittenberge Anhänger Martin Luthers, übernahm 1521 die Regierung des Fürstentums Braunschweig-Lüneburg. Er versuchte bald darauf, die neue Lehre in seinem Fürstentum einzuführen.

Gerade die reichen Kirchen- und Klostergüter benötigte er dringend zur Sanierung der Staatsfinanzen. Die Klöster, die um ihre Existenz fürchteten, leisteten jedoch auch nach der Einführung der Reformation im Jahr 1527 zum Teil heftigen Widerstand, mitten dabei das Kloster Medingen.

Im Zuge der Auseinandersetzungen ließ der Herzog dann 1541 auf der einzigen Zufahrt zum Kloster gleich neben der Klosterpforte ein schlossartiges Gebäude errichten. Eine Inschrift im Vorbau weist aus, dass das "Fürstenhaus" von Herzog Ernst fürsorglich für sein Gemahlin Sophia von Mecklenburg erbaut wurde, für den Fall, dass sie ihren Gatten überlebte. Da Sophia jedoch schon vorher starb, schenkte der Herzog das Haus seiner Tochter Katharina, die es 1546 bezog und die nach ihrem Tod 1615 im Kloster Medingen beigesetzt wurde.

Nicht nur die historischen Ereignisse der Reformation machen das "Fürstenhaus" in Medingen zu einem bedeutenden Kulturdenkmal. Seine Architektur bietet auch interessante Einblicke in den Stilwandel von der Gotik zur Frührenaissance.

Amtsgericht und Richterwohnhaus

Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis hinein in die 60er Jahre befand sich das Amtsgericht Medingen im ehemaligen herzoglichen Fürstenhaus.

Wie das Amtsgericht steht auch das "Amtsrichter-" bzw. "Richterwohnhaus" unter Denkmalschutz. Erbaut wurde es in der Mitte des 18. Jahrhunderts zu einer Zeit, als das Amtsgericht Sitz der herzoglichen Verwaltung und Rechtsprechung war.

Das Gustav Stresemann Institut heute

Mit dem Rückgang der Förderung der Erwachsenenbildung durch das Land Niedersachsen mussten wir die Preise für Seminare und Unterbringung entsprechend anheben.

In den Zeiten knapper werdender Mittel sind wir weiter bemüht, dieses zum großen Teil denkmalgeschützte und aufwändig zu unterhaltende Anwesen und den "Neubau" (unser Gästehaus aus dem Jahr 1977) in guter Form zu halten und – wenn immer finanziell möglich – zu verbessern.

Dass wir in der sich verändernden Bildungslandschaft weiter präsent sind, liegt in der Mischung von eigenen Seminaren und Gastgruppen:
Die Hälfte unserer Gäste besuchen unsere hauseigenen Seminare oder Seminare, die wir in Kooperation mit unseren Partnern durchführen. Die andere Hälfte der Gäste ist mit Gruppen hier, die unser Haus als Umgebung für ihre eigenen Seminare gewählt haben.

Auch unser Seminarangebot hat sich seit der Gründung deutlich verändert – und doch versuchen wir, dieses Haus der Begegnung auch im Sinne des Gründers weiterzuführen.

Seminarprogramm

Auch dieses Jahr finden Sie bei uns ein vielfältiges Angebot an Seminaren, Fortbildungen und Bildungsurlauben.

Programmheft (PDF)

 

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Kontakt

Gustav Stresemann Institut in Niedersachsen e.V. // Europäisches Bildungs- und Tagungshaus Bad Bevensen

Klosterweg 4 . 29549 Bad Bevensen
Telefon: (0 58 21) 9 55-0
E-Mail: info@gsi-bevensen.de

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